Hoffnungszeichen für die deutsche Wirtschaft

Der ifo-Geschäftsklimaindex konnte im März leicht zulegen, befindet sich insgesamt aber immer noch auf sehr niedrigen Niveaus. Zahlreiche Unternehmen beschreiben ihre aktuelle Lage weiterhin als schwierig und vielfach von Auftragsmangel geprägt. Allerdings werden die Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung weniger pessimistisch eingeordnet. Dazu dürfte unter anderem das von der Union und der SPD initiierte Investitionspaket für Sicherheit und Infrastruktur beigetragen haben. Ein resultierender positiver Konjunkturimpuls sowie eine langfristig wirkende Verbesserung der Standortqualität lassen sich daraus ableiten. Zur deutlichen Stimmungsverbesserung in der Industrie, die auch an den jüngsten HCOB-Einkaufsmanagerindizes ablesbar ist, hat auch der größte Produktionsanstieg seit rund drei Jahren beigetragen. Dieser könnte jedoch vor allem auf Vorzieheffekte zurückzuführen sein, denn weiterhin droht die Eskalation des Handelskonflikts mit den USA und damit anhaltend deutliche Zollanhebungen.
Damit befinden sich viele Unternehmen in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit und geringer Planbarkeit. Umso wichtiger sind weitere richtungsweisende Akzente vonseiten der Politik zur Ertüchtigung des Standorts Deutschland und Europa. Relevant sind hierbei die altbekannten, vor allem kostenrelevanten Faktoren für Energie, Löhne, Steuern und die Abarbeitung teils überbordender regulatorischer Anforderungen. Zudem muss das Arbeitskräfteangebot verbessert werden, u.a. durch einen stärkeren Anreiz, eine Arbeit aufzunehmen oder die Arbeitszeit auszuweiten sowie durch vereinfachte Zuzugsmöglichkeiten von qualifiziertem Personal aus dem Ausland.
Nicht zuletzt braucht Deutschland möglichst bald eine handlungsfähige Regierung, um den bereits angetretenen Weg einer zunehmenden geo- und verteidigungspolitischen Emanzipation Europas bzw. der Formierung eines „Europa der Willigen“ zur stärkeren und von den USA unabhängigen Unterstützung der Ukraine aktiv begleiten zu können. Der Anspruch an die Politik bleibt weiterhin hoch. Die Planungssicherheit für unternehmerisches Handeln muss deutlich gesteigert werden, um aus dem bisher zaghaften Beginn eines zyklischen Aufschwungs einen dynamischen Aufschwung resultieren zu lassen.

Newsletter vom 2. April 2025
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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